Mathias Petry

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Vita

Er ist da reingerutscht. Dass sich das Ausleben seiner Kreativität einmal gerade in einer ziemlich fiktiven bayerischen Gemeinde bündeln würde, war so nicht absehbar, und auch nicht geplant. Mathias Petry (*28. Juni 1964) kam als Kind nach Bayern. 1997 wurde er zu Bayern Dry geholt, zu einer Mundart-Singer-/Songwriterband. Da lernte er dann, was ein Kuchefüata oder der Unterschied zwischen einer Mordsdrumwatschn und einer Bockfotzn ist. Spätestens da war es passiert.
Kreativ unterwegs war Mathias aber auch schon davor. Kaum zehn, zwölf Jahre alt, schrieb er einen ersten, kurzen Minikrimi, nahm er (Sport-)Reportagen auf seinem Kassettenrecorder auf, schrieb er seine ersten Songs. Und das ging so weiter.
Mit 16 begann er für die heimische Lokalzeitung zu schreiben, mit 17 spielte er seine ersten Konzerte mit eigener Musik, mit 18 fasste er seine (Primaner-)Lyrik in einem kleinen Gedichtheftchen zusammen, mit 19 baute er sein Abi, mit 22 war er Tageszeitungsredakteur, bald darauf auch Privatradioredakteur, mit 23 leitete er seine erste kleine Zeitungsredaktion, mit 27 moderierte er erste Talkrunden beim lokalen Privatfernsehen. Mit 24 studierte er Politikwissenschaften, mit 28 ging er zurück in den Journalismus.
 
Über 30 Jahre lang war er Lokaljournalist, ehe er als Reporter in eine Mantelredaktion wechselte. Nun gibt es im Journalismus nicht wirklich oft 36-Stunden-Wochen, aber eine Woche hat ja bekanntlich 168 Stunden. Zeit genug also für Leben und Familie, Freunde, Reisen, Badmintonspielen, Fitnessstudio, Motorradfahren, ehrenamtliches Engagement, Legobauen - und auch, um dieses oder jenes auf die Beine zu stellen oder manchmal auch zu schlafen.
 
Über die Jahre hat Mathias etliche Band-Projekte gegründet, die jeweils etliche Jahre liefen, eine mit Querflöte und Gitarre, eine Funkjazzband und ein Deutsch-Pop-Projekt, er hatte Dutzende Konzerte gespielt, sich in ersten Kulturvereinen engagiert, war als Steller mit der örtlichen Volleyballmannschaft dreimal hintereinander bis in die Bezirksliga aufgestiegen.
Kurz vor dem 30er machte er den Motorradführerschein und gab erstmal Gas. Mit der Fähre nach Palermo und den ganzen Stiefel rauf zurück. Er lernte, dass eine rote Ampel in Süditalien bestenfalls eine Anregung zur erhöhten Aufmerksamkeit ist. Über Barcelona nach Gibraltar und dann wochenlang quer durch Spanien samt Stierkampf-TV mit Doppelmoderation im Hotelzimmer. Mit gemieteten Maschinen in Griechenland und Portugal. Was er unterwegs erlebte, würde für eine Netflix-Serie locker reichen.
 
1997 gründete Mathias im Nachbarlandkreis die IG Sob-Rock, eine Art Dachverband für Amateurbands, in dem sich auch Leute wie Flo Weber (später Sportfreunden Stiller) oder Patrick Oginski (später Südpol-Musik) verdingten. Er sorgte dafür, dass der MusikExpress Schrobenhausen mit seiner damals erstaunlichen Musikszene zur heimlichen Hauptstadt des Rock ‘n‘ Roll kürte. Eine Reihe von Stadt-Samplern begründete er ebenso wie Kneipenkonzertnächten samt Shuttlebussen.
Im selben Jahr gründete er sein eigenes Label, eat this music, über das er im Laufe der Jahre locker ein gutes Dutzend CDs veröffentlichte.
Von der Band Bayern Dry, wo er als Arrangeur, Produzent und Musiker 15 Jahre lang tätig war. Und von der zweitältesten Boygroup der Welt nach den drei Tenören (Freebeer), die getreu einem scherzhaften Motto des Bildhauers Richard Gruber - „Der Gitarrist bleibt niemals ungeküsst“ - gegründet wurde. Und tatsächlich gingen aus dieser Band, die es ein Vierteljahrhundert gab, insgesamt sieben Kinder hervor.
In dieser Zeit gründete Mathias eine der ersten Handwerker-Communities im Netz, www.wir-bauen-ihr-haus.de, übergab sie aber bald, das war viel zu technisch. Stattdessen richtete er sich daheim ein Tonstudio ein, um fortan noch mehr Musik zu machen.
 
2000 entwickelte Mathias zusammen mit dem Zahnarzt Dr. Anton Euba das Präventionsprojekt „Disco-Fieber“ gegen Disco-Unfälle, das später am Bayerischen Gesundheitsministerium angesiedelt wurde; das Konzept wird seither in Bayern und darüber hinaus umgesetzt.
 
Ehrenamtlich gründete Mathias Petry in Schrobenhausen, unweit seines Heimatorts Hohenwart, die "Stadtrunde", ein Spazierwegprojekt unter dem Dach des Verkehrsvereins Schrobenhausener Land samt Duftgarten in der Stadt sowie einem Mittelalterspielplatz und einem Kunstpfad am Rande der Altstadt und unterstützte die örtliche Kolpingfamilie bei der Restaurierung des Kreuzwegs am Kalvarienberg. Für die Sozialaktion "Vorweihnacht der guten Herzen" des Donaukurier in Schrobenhausen sammelte er über eine Million Euro an Spenden.
 
Seit er sich mit 16 auf dem Bauernhof von Nachfahren eines der Tatverdächtigen des Mordfalls von Hinterkaifeck immer wieder ein wenig Geld dazu verdiente, war Mathias Petry dem Mythos ein Stück verfallen. Über die Jahrzehnte erschienen bislang drei Bücher; gut möglich, dass das noch nicht das Ende war.
 
2001 verliebte sich Mathias in die Journalistin Sabine Beck. Die beiden bereisten fortan zusammen die Welt, und müssten sich heute wahrscheinlich dafür shamen, wie oft sie schon in Flugzeuge gestiegen sind. Aus ihrer Beziehung gingen ein Sohn, die kreative Heimat Hudlhub samt gleichnamiger Band, literarischen Figuren wie der Landtagsabgeordnete Ludwig Haderlein oder der Erdkobold Konrad Kleinmögel hervor  sowie diverse Romane und Kinderbücher, das Kulturbuero8, der Trägerverein Landkultur Bayern Mitte e.V., mehrere Kleinkunstbühnen wie das Ilmbrettl oder „Kultur im Winkel“ und ein beachtliches Netzwerk im Bereich des kulturellen Lebens.
Die Romane von Mathias Petry sind in der Battenberg-Gietl-Verlagsgruppe erschienen, Sabine Becks Kinderbücher im Dix-Verlag, die Band Hudlhub ist bei der Donnerwetter Musik GmbH unter Vertrag.
 
Familie und Brotjob gehen vor – entsprechend passiert rundherum nichts schnell.
Zur vagen Idee für das Projekt Hudlhub kam es beispielsweise 2000 bei einer Begegnung mit dem Indianer MG Vivero, der seinerzeit im echten Hudlhub lebte. 2004 schrieben Richard Gruber und Mathias eine erste Storyline. In den folgenden Jahren entstanden zahlreiche Fragmente, die später in die Romane Einzug hielten. 2008 traf Mathias den Texter und Songwriter Ludwig Hofberger, daraus wurde die Idee eines gemeinsamen Konzeptalbums, das in Hudlhub spielt. Das Songwriting passierte in den folgenden drei Jahren. Weitere drei Jahre zogen sich ab 2011 die Aufnahmen im Tonstudio hin. Alles immer schön gemütlich nebenbei, hier mal drei Stunden, da zwei, ganz selten auch mal fünf oder sechs Stunden am Stück.
2014 waren das Konzeptalbum und ein erster Roman fertig. Das Abenteuer konnte beginnen.
2015 kam der Roman „Hudlhub“ auf Anhieb auf die Shortlist des Buchpreises „The Beauty & The Book“ bei der Frankfurter Buchmesse und in die Top 3 des Amazon-Autorenpreises „entdeckt“.
2016 legte er den Roman "Kainegg" nach, 2019 folgte "Gailing" und 2021 "Biberg". Mit den Büchern ging er mehrfach auf Lesereise.
 
Schon mit 30 hatte er sich dies ganz fest vorgenommen: "Mit 60 gründe ich eine Jazzband." Gesagt, getan. 2024 entstand das Material, die Band formierte sich, im Frühjahr 2025 erschien das Album "Mathias Petry & Friends: unterwegs", seither ist das Mathias Petry Projekt mit seinen jazzigen, musikalischen Städtereisen on tour. Das nächste Kapitel hat begonnen.
 
Das Thema Bildung trieb ihn über mehrere Jahrzehnte um. 2017 veröffentlichte Mathias Petry zusammen mit dem Hochschullehrer Prof. Dr. Helmut Zöpfl im Battenberg-Verlag die viel beachtete Sreitschrift "Zurückbleiben bitte!". 2026 veröffentlichten die beiden eine mehrbändige Streitschriftenreihe, nun unterstützt vom Pädagogen Dr. Alexander Müller, mit dem Titel "Deutschland, Du hast ein Bildungsproblem!"
 

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